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Über Knopfmacher und ihre Kunstwerke

Über Knopfmacher und ihre Kunstwerke

Schlichte Gewänder zum Überwerfen

Kleider, wie wir sie heute kennen, die Hosenbeine, Ärmel und Kragen besitzen und die angezogen wird, war früher keine Selbstverständlichkeit. In der Antike wurden Kleider noch nicht angezogen. Es gab lediglich ein Untergewand und darüber einen dickeren und wärmenden Mantel aus Wolle. Bei den Griechen hießen diese beiden Kleider Chiton und Himation, während die Römer diese Tunika und Toga nannten. Etwas aufwendiger und filigraner durfte es damals aber trotzdem schon sein. Die Peplos – das prachtvolle Gewand der Frauen – oder die Chamys – ein über die Schulter geworfener Mantel – besaßen einen eleganteren Schnitt als die herkömmliche Kleider. Diese Kleider wurden mit Spangen und Schnallen verziert, die entweder auf der Schulter oder auf der Brust steckten.

Vom Schuhverschluss zum Knopfloch

Diese Verschlüsse sind die Anfänge des heute existierenden Knopfes. Übermittelt ist jedoch, dass bereits damals schon Verschlüsse als eine Art Knopf von den Persern als Schuhverschluss verwendet wurden. Die rundliche Form der Knöpfe bestand damals aber noch nicht, sondern lediglich Ösen und Schlaufen. Das Knopfloch existierte damals ebenfalls noch nicht. Erst im 13. Jahrhundert konnte das heute bekannte Knopfloch nachgewiesen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt bestand der eigentliche Knopf aus einer Kugel, die aus Textilien geflochten war. Anstelle des Knopfloches wurden Bänder oder Schnüre als Schlaufe verwendet. Sogar heute werden diese Verschlüsse im asiatischen und orientalischen Raum verwendet. Aber auch in der modernen Mode erhalten diese Art der Verschlüsse wieder vermehrt in eleganten Abendkleidern und Gewändern Einzug.

Beginn der vermehrten Körperbetonung

Bis zum 12. Jahrhundert wurden Kleider noch weit getragen und lediglich umgehangen. Mit dem immer häufigeren Einsatz von Knöpfen, Broschen und Spangen wurden die Gewänder körperbetonter und individueller. Meterlange Stoffe wurden in Stoffstücken geteilt, diese wurden auf den Körper zugeschnitten und an relevanten Stellen mit Verschlüssen versehen. Durch die neue Art der körperbetonten Kleider wurde schließlich ersichtlich, ob der Träger Damen- oder Herrenbekleidung trug. Nicht weit von diesem geschlechtlichen Unterschied entfernt, entstanden die ersten Modeformen. Anstelle die Stoffstücke lediglich überzuwerfen oder zu schnüren, knöpften die Menschen ihre Gewänder mit Verschlüssen zu. Seit dem 13. Jahrhundert wichen die Verschlüsse immer mehr vom Schlaufen-Verschluss ab und es setzte sich dann das Knopfloch, wie wir ihn heute kennen, durch.

Beginn eines neuen Berufsstandes

Der Grundstein für den Beruf des Knopfmachers wurde kurze Zeit später gesetzt, indem die Menschen sich immer individueller durch verschiedene Knöpfe und Verschlüsse ausdrucken wollten. Die Nachfrage nach außergewöhnlichen und teuren Knöpfen stieg immens an, so dass sich der Knopfmacher hauptberuflich mit dieser Tätigkeit beschäftigen konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die sogenannten Kleineisenwarenschmiede die eigentlichen Knopf-Designer und -Hersteller. Sogar damals gab es bereits globale Einflüsse auf saisonale Knopf-Trends. So orientierten sich die Knöpfe einige Zeit an die Mode aus dem Vorderen Orient. Später nahmen Metalltöne immer weiteren Einzug in die Knopf-Mode, so dass die Verschlüsse silbern und golden glänzten. Aber auch Glas, Stoffstücke, Leder oder Edelsteine wurden aufwendig in Verschlüssen eingearbeitet.

Vom schlichten Verschluss zum Kunsthandwerk

Vom zweckmäßigen Verschluss waren Verschlüsse zu diesem Zeitpunkt schon längst weg. Verschlüsse galten damals bereits als Kunsthandwerke. Die Künstler verwendeten eine große Vielfalt an Verzierungen und Materialien. Die aufwendige Produktion brachten den Schmieden immer höhere Verdienste ein, da diese für ihre Werke hohe Preise verlangten. Der Knopf wurde zum Schmuckelement. Je wohlhabender ein Mann war, desto dichter war seine Garderobe mit Knöpfen versehen. Die Frauengarderobe hingegen besaß hauptsächlich an den Ärmeln viele Knöpfe, die dazu in der Lage waren, die langen Ärmel hochzukrempeln. Die restliche Gewänder waren jedoch eher dezent und bis auf den Boden reichend. Den Adel trug exotische Knopfmaterialien wie Edelsteine, Gold oder Elfenbein. Das einfache Volk besaß Verschlüsse aus Knochen, Leinenstoff oder Holz.

Knopfmacher organisieren sich in Zünften

Aufgrund dessen, dass sich immer mehr Schmiede dem Knopfmacher-Beruf widmeten, entstanden im 14. Jahrhundert erstmals Knopf-Zünfte. Diese lagen zentral in den Handelszentren und sorgten für die Sicherheit der über das Land verteilten Knopfmacher, indem sie sich für ihre Rechte stark machten. Jedoch war aber der Beruf des Knopfmachers kein rein freier Beruf. Die Zünfte stellten viele Regeln auf und reglementierten diesen Beruf. Auch differenzierten sich die Zünfte je nach Knopfmaterial. So entstanden Zünfte ausschließlich für Glas- oder Horn-Verschlüsse. Die Beschmückung mit immer ausgefalleneren Knöpfen wurde zu einem dermaßen Hype, dass in Italien ein neues Gesetz erlassen wurde. Dieses Gesetz regelte, dass sich von nun an, keiner mehr übermäßig mit Knöpfen schmücken darf.

Beginn der Knopf-Massenproduktion

Der Preis für filigrane Knöpfe hatte im 16. Jahrhundert seinen Höhepunkt. Von nun an war der Markt der Knopfmacher bereits gesättigt und der Preis pro Verschluss nahm stetig ab. Zwar schmückten sich wohlhabende Leute weiterhin mit teuren Knöpfen. Günstige Materialien setzten sich jedoch bei der einfachen Bevölkerung durch. Zwar waren Materialien wie Holz oder Leinenstoff weiterhin üblich, jedoch trugen auch diese fortan Verschlüsse aus Kupfer, Zinn oder Eisen. Dies ermöglichte erste halbmaschinelle Herstellungsmethoden, die die Welt der Knopfmacher mächtig veränderte. In ganz Europa waren Knopfmacher hoch geschätzt und wurden von den Königshäusern gefördert. Sie erhielten Privilegien, von denen andere Berufe träumten. Die Königshäuser besaßen hauseigene Knopfmacher, die ausschließlich für ihre Könige Gewänder mit den besten Verschlüssen versahen.

Metallstifte zum schnellen Wechseln

Zu dieser Zeit wechselten auch die Kleider häufiger als zuvor. Die Menschen konnten sich anstelle eines Sonntagskleides mehrere Kleider leisten. So wechselten auch Verschlüsse zu dieser Zeit häufiger den Stoff. Um die Knöpfe schneller auf das neue Stoffstück umsetzen zu können, entstanden Stift-Knöpfe, die am unteren Ende zwei Metallstifte besaßen und in den Stoff eingestochen wurden. Diese Innovation stammte aus China, bei der diese Technik häufig für Edelsteine verwendet wurde. Häufig wurden diese Schmuckstücke auch mit extravaganten Elementen wie Schmetterlingen oder Blumen bestückt. Was auf der einen Seite der Erde als prunkvoll und wohlhabend galt, brachte jedoch auf der anderen Seite kritische Blicke hervor. In Amerika waren prunkvolle Verschlüsse verpönt.

Abgeschottet aber erfinderisch

Da die ersten Siedler diesen Lebensstil pflegten, hatte die Knopfindustrie Schwierigkeiten, sich in Amerika niederzulassen. Jedoch wollte sich auch die amerikanische Bevölkerung luxuriöser und extravaganter kleiden. Zwar gab es auch in Amerika Knopfmacher. Diese übten ihren Beruf aber eher nebenberuflich neben ihrer Tätigkeit als Uhrmacher oder Juwelier aus. Der Nachschub nach immer wieder neu designten Verschlüssen kam aus Europa, wo sich über viele Jahrhunderte die Knopfmacher gefestigt und sich den Markt untereinander aufgeteilt hatten. Um den eigenen Knopfmarkt in Amerika zu stärken, gab es im Rahmen des Unabhängigkeitskrieges Importverbote. Dieses Verbot führte dazu, dass – abgeschottet vom europäischen Festland – in Amerika mit ungewöhnlichen Materialien wie Pappmache zur Knopfherstellung experimentiert wurde und ganz eigene Knopf-Kreationen entstanden.

Christine hat sich übrigens die Geschichte des kleinen Bruders der klassischen Knöpfe angeschaut: Manschettenknöpfe. Die Entwicklungen liefen parallel und überschneiden sich teilweise. Ein interessanter und lesenswerter Artikel.

Dieser Artikel ist der 3. Teil unserer Knopf-Reihe. In Teil 1 haben wir unsere Knopf-Liebe in einem Gedicht auszudrücken versucht. Im 2. Teil versuchten wir den Erfinder des Knopfes ausfindig zu machen. Um Knopf-Trends aus der Vergangenheit ging es im 4. Teil. In Teil 5 unserer Knopf-Reihe haben wir uns bereits Glasknöpfe genauer angeschaut.

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Dein tailorcrate Team aus Braunschweig!

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